Startseite
 


"Im Spiegel" von Margret Steenfatt - ein Interpretationsaufsatz


Margret Steenfatt ist eine deutsche Schriftstellerin die viele Bücher über und natürlich auch für Jugendliche geschrieben hat. Einige bedeutende Werke von ihr sind unter anderem "Die sanften Banditen", "Das Schülertelefon" oder "Ein Zimmer für Stella". Ich möchte heute das Werk "Im Spiegel" näher erläutern.

Wer von uns stand nicht schon einmal vor dem Spiegel und hat sich die Fragen gestellt: Bin ich schön? Können mich alle gut leiden? Liebt mich xy? Und dann die entscheidende Frage: WER BIN ICH? So geht es auch dem pubertierenden Achim, der nach einem Streit mit seinen Eltern vor einem Spiegel sitzt und sein fast lebloses, blasses Gesicht betrachtet.

Die Kurzgeschichte von Magret Steenfatt ist schon über 20 Jahre alt, was man daran sieht, dass über eine Punkband, den "Dead Kennedys" geschrieben wird, die heute keiner mehr kennt. Ich musste das auch erst googeln.

Achims Kinder- bzw. Jugendzimmer ist schlicht gestaltet und einfach nur steril und weiß. Genauso wie sein Gefühlszustand. Er hat zu nichts Lust, ist unmotiviert und irgendwie hat er das Gefühl, dass sein Leben an ihm spurlos vorbeizieht. Erst als er Musik hört kommt wieder etwas Leben in ihn zurück. Doch schnell versinkt er wieder in seiner eigenen Welt und lebt in den Texten der Bands, die er hört. Sein Leben ist sinnlos und er hat ständig das Gefühl einen Moment zu spät zu sein.

Nun bleibt es nicht aus, dass er auch noch Stress mit seinen Eltern bekommt. Nach einem Streitgespräch mit seinen Eltern: "Du bist ein Nichts", verstärkt sich sein Gefühl, dass sein Leben nichts wert ist. Er versteckt sich in seinem Bett, den einzigen Zufluchtsort den er kennt und grübelt über deren Worte und über sein "sinnloses Leben" nach. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich echt großes Mitleid mit Achim.

Gut finde ich die Wendung, in der Achim erkennt, dass er sich selbst vom "Leben" nicht abschreiben lässt. Man spürt, dass er um sich kämpfen will. Aber ein Blick in den Spiegel verrät ihm wieder die Trostlosigkeit in seinem Leben. Als er ganz nahm am Spiegel steht streicht er mit den Fingern über das Bild und fühlt nur Leere ("nichts als Glätte und Kälte"). In ihm wächst das Verlangen sein Spiegelbild nachzumalen. Hierzu benutzt er Schminke mit kalten Farben wie blau, weiß und schwarz. Schwarz für die Augenbrauen und blau für seine Augen und die Stirn. Den Rest seines Spiegelbildes färbt er weiß. Genauso wie er sich im Leben fühlt. "Blass und Leer".

Nach Beendigung seiner "Malerei" erkennt Achim, dass dieses kontrastreiche Spiegelbild nicht das darstellt, was sein Inneres sich wünscht. Hinter der "Maske" verbirgt sich ein anderer, ein besserer Mensch. Er wendet den Blick zunächst ab um dann noch einmal in den Spiegel zu sehen. Jetzt erscheint sein Spiegelbild direkt neben der gemalten Maske.

Hier scheinen sich alle aufgestauten Emotionen zu entladen. Er zerschlägt mit seiner Hand den Spiegel und verletzt sich dabei. Mit dem Blut an seiner Hand verschmiert er die Reste seiner Maske. Der Kontrast des roten, warmen Blutes auf der kalten, fast farblosen Maske lässt erahnen, dass in Achims "wahren Ich" viel mehr Leben steckt als "Nichts". Es lässt erkennen, dass er es seinen Eltern und allen anderen zeigen wird, was wirklich in ihm steckt.

Ich finde die Kurzgeschichte von Margret Steenfatt spannend erzählt. Man schwebt zwischen Mitleid und Überraschung und, so ging es mir zumindest, man lebt ein Stück weit mit ihm mit. Das Gute an dem Ende ist, dass jeder Leser seine eigenen Schlussfolgerungen aus der Geschichte ableiten kann.

Ich glaube an Achim und wünsche ihm, auch wenn er nicht real ist, dass er seine Lethargie überwindet und sein Glück findet.

Im Spiegel


 
 

Besucher seit dem 10.01.2012
gesamt: 71453 - heute: 1 - gestern: 20 - online: 1
Impressum